Adolf Glaßbrenner in Neustrelitz. Vortrag aus Anlass seines 150. Todestages, gehalten von Bernd Schattinger
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WannFreitag 08.05.2026 16:00 - 18:00
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OrtKulturquartier
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TypVortrag / Gespräch
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Im Gedenken an die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen von 1933 (in Neustrelitz am 13. Mai vor der Orangerie) richtet der Hans-Fallada-Klub e.V. seit zwei Jahrzehnten um dieses Datum herum Veranstaltungen aus, die der Würdigung und Verteidigung des freien Wortes gewidmet sind. In diesem Jahr wollen wir an den Journalisten und Satiriker Adolf Glaßbrenner erinnern, der von 1840 bis 1850 in Neustrelitz lebte und dessen Todestag sich zum 150. Male jährt. Am 8. Mai um 16 Uhr wird Bernd Schattinger, ehemaliger Direktor der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, im Kulturquartier einen Vortrag über Leben und Werk Glaßbrenners halten. Um 20.15 Uhr wird in der Alten Kachelofenfabrik die DEFA-Komödie "Ein Polterabend" von 1955 (Regie: Curt Bois) über eine Episode aus Glaßbrenners Leben zu sehen sein.
In seiner Heimatstadt Berlin hatte Adolf Glaßbrenner sich unter dem Pseudonym „Brennglas“ einen Namen als Satiriker gemacht. Bekannt ist die literarische Figur des Eckenstehers Nante. Auch die Redewendung „es ist allerhöchste Eisenbahn“ stammt aus einem seiner Texte. Durch seine kritischen und volkstümlichen Publikationen fiel er beim preußischen König in Ungnade und seine Publikationsmöglichkeiten in der preußischen Hauptstadt verschlechterten sich. Den König ärgerte auch, dass Adele Peroni, Schauspielerin am königlichen Theater, den umtriebigen Humoristen geheiratet hatte. Sie verlor ihr Engagement, wurde aber vom Großherzog Georg an sein Theater in Neustrelitz geholt. Das Ehepaar übersiedelte 1840 nach Neustrelitz und bezog eine Wohnung im Haus des Tischler-Amtsmeisters Carl Herzberg, Glambecker Straße 29. In der Revolution von 1848/49 war er zusammen mit seinem Freund Daniel Sanders einer der führenden Demokraten im Großherzogtum. Als Vorstandsmitglied des 1848 gegründeten Reformvereins Neustrelitz hielt er Reden in Versammlungen und auf Kundgebungen, mit denen er die oft zahlreichen Zuhörer begeistern konnte. In der radikaldemokratischen Wochenzeitung "Blätter für freies Volksthum" veröffentlichte Glaßbrenner regelmäßig satirische Beiträge. Bei dem großen Aufzug unzufriedener Landarbeiter, Tagelöhner und Handwerksgesellen vor dem Schloss am 7. September 1848 spielte er eine wesentliche Rolle. Eine unzutreffende Denunziation nahm der Großherzog zum Anlass, den kritischen Demokraten 1850 auszuweisen. Das Ehepaar zog nach Hamburg.
Um Leben und Wirken Adolf Glaßbrenners zu würdigen, lädt der Hans-Fallada-Klub zu einem Vortrag am 8. Mai 2026 um 16 Uhr ins Kulturquartier Neustrelitz ein:
„Seiner Zeit voraus: Adolf Glaßbrenner (1810 bis 1876). Erst verboten, dann vergessen?“
Der Vortrag wird gehalten von Dr. Bernd Schattinger, ehemaliger Leiter der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern, der sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit der Geschichte der demokratischen Bewegung und ihrer Presse in Mecklenburg befasst hat und auf zahlreiche Publikationen zu diesem Thema verweisen kann.
Im Beiprogramm werden die Arbeiten einiger Künstlerinnen und Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern präsentiert, die vor einigen Jahren Bernd Schattingers Aufruf folgten, Glaßbrenners gegen den preußischen König gerichtetes satirisches Gedicht „Allerhöchste Logik“ zu illustrieren. Neben Bernd Schattinger wird auch die Neustrelitzer Künstlerin Cornelia Kestner die an dieser Aktion beteiligt war, diese Arbeiten erläutern.
Ab 20.15 Uhr zeigt das Kino in der Alten Kachelofenfabrik die DEFA-Komödie „Polterabend“ von 1955 (Regie von Curt Bois). Vor dem Hintergrund einer kurzen Episode aus dem Leben Glaßbrenners werden seine Persönlichkeit sowie der Geist jener Zeit humoristisch beleuchtet.